Eine Kontaktaufnahme

In unserem steten Verlangen, ein Werk einordnen zu wollen, erinnert ein erster Blick auf Bertrand Pavies Gemälde an die Familie der deutschen oder flämischen Expressionisten. Seine Bilder lassen auf deren religiöses Einfühlungsvermögen, auf deren instinktive Impulse und ihren physischen Einsatz im Umgang mit Farben schließen.


Bertrand Pavie

Die Bilder von Bertrand Pavie zwingen uns bei zweiter Betrachtung zu der Feststellung, dass weder Elemente der Anklage oder frontaler Konfrontation, noch sarkastischer und politischer Kritik am Zeitgeist hervorgehoben werden. Im Gegenteil. Die Art, wie der Maler Pavie sich frech an der Neubearbeitung eines Kanons vergangener Malkunst versucht, versetzt uns in Erstaunen ... und in Erheiterung. Dort wo Zitat, respektvolle Wiedergabe oder Umformulierung zu erwarten ist, leistet sich Bertrand Pavie ein einerseits ernstes wie auch geistreiches Spiel mit der Malerei.

Was ist eine gelungenes Bildnis? Was ist große Genremalerei? Was ist ein "sujet noble"? Indem Pavie sich in seinen Kompositionen nicht nur um die Strenge manieristischer und erst recht barocker Meister bemüht (denen er sich ausgesprochen verbunden fühlt) sondern auch um die Wiederaufnahme von lange Zeit als maßgebend geltender Größe und Prunk, mischt er die Karten und gleichzeitig die Absichten neu. Wie ist das Diptychon Adam und Eva anzusehen, oder die Kreuzigung und noch viel mehr der Medici-Zyklus, eine Gemäldefolge von Rubens, wenn wir unter Pavies Bildern einen Schalk finden, dem Antlitz eines Popstars würdig, und wie betrachten wir die herzlich kindliche Verarbeitung von Playmobil, Batman und deren versammelten Freunden oder die meisterlich gelungene Verwendung der Farben auf schwarzem Grund, wie auch den durch den Kontrast brillant in Frage gestellten Status der Abbildung die wir vor uns sehen?

De facto eröffnet sich nämlich bei genauerer Ansicht eine dritte, gewichtigere Betrachtung Betrand Pavies Gemälde: der Betrachtung des Bildes an sich, also dem Status der bildlichen Darstellung, auf die uns der Künstler systematisch mit einem Lächeln aufmerksam machen möchte. Ohne Werturteil und ohne zu intellektualisieren, lässt uns Bertrand Pavie durch seine gelebte Fröhlichkeit als Ausdruck seines Glaubens in die Thematik großer Malerei eintauchen. Ein Umstand, der uns kurzerhand dazu drängt, die kurze, aber wichtige Frage zu stellen, was wir ganz persönlich unter Malerei verstehen.



Bertrand Pavie © 2013